A Die Geschichte der Schiffahrt in der Familie KIRSTEN

1. Die Anfänge in Hamburg / JOHN FONTENAY

Bereits um den Wechsel vom 18. zum 19. Jahrhundert betätigte sich John Fontenay, der 1769 in Philadelphia, USA, geboren wurde, rege als Schiffsmakler in Hamburg, Deutschland. Er heiratetete die Witwe Anna Catharina KIRSTEN, geborene Ballheimer, mit 4 Kindern aus ihrer ersten Ehe.

2. Heinrich Friedrich KIRSTEN

1827 übernahm John Fontenay´s  Stiefsohn Heinrich Friedrich KIRSTEN die Maklerfirma Fontenay & Hesleden. Nach Fontenay´s Tod 1835 wandelte er die Firma in H.F. KIRSTEN um.

B Die Gründung der Reedereifirma – Adolph KIRSTEN und seine Zeit

3. A. KIRSTEN

Nach dem Tod von H.F. KIRSTEN (3.10.1866) übernahm Adolph KIRSTEN (1839-1915) als dritter Sohn die Firma seines Vaters und gründete am selben Tag unter seinem Namen die Schiffsmaklerfirma A. KIRSTEN.

4. Die Reederei

1878 gründete Adolph KIRSTEN seine eigene Reederei mit demselben Namen (A. KIRSTEN) und nahm seinen Bruder Robert KIRSTEN mit in die Firma auf.

In den Folgejahren erhielten alle Schiffe 27 verschiedene Namen (einige Namen wurden wiederholt vergeben) der weiblichen Gestalten aus den 35 Dramen Shakespeare´s. z.B.

Desdemona – Tochter des Senators Brabantio aus „Othello“
Cleopatra – der Königin von Ägypten aus „Antonius und Cleopatra“
Ophelia – ist die Tochter des Palomius aus „Hamlet“
Jessica – Tochter Shylock´s aus dem „Kaufmann von Venedig“
Viola – eine junge Edeldame aus „Was ihr wollt“
Portia – der Gemahlin des Brutus aus „Julius Cäsar“
Nerissa – Portias Begleiterin aus dem „Kaufmann von Venedig“
Cordelia – die Tochter des Königs aus „König Lear“

1880    wurde die Hamburg-London-Linie gegründet.

1886    wurde die Hamburg-Pacific-Dampfschiffs-Linie mit Diensten zur südamerikanischen

Westküste gegründet.

1888    wurde die Hamburg-Calcutta-Linie gegründet

Bis 1914 hatte sich aus der kleinen Maklerfirma ein bedeutendes und angesehenes Reederei- und Schiffsmakler-Unternehmen entwickelt.

5. Der 1. Weltkrieg 1914-1918

Die Flotte bestand zu Kriegsbeginn aus 23 Dampfern der Hamburg-London-Linie und 6 Dampfern der Rotterdam-Linie mit zusammen 45.150 tdw (tons deadweight). Alle Schiffe waren zu diesem uns späteren Zeitpunkten Fracht-Handelsschiffe, die in der Linienschiffahrt von A. KIRSTEN fuhren oder andere Lasten beförderten. Während die frühen Schiffe alle Damfschiffe mit grossen Schornsteinen waren, wurden die späteren Schiffe von Dieselmotoren angetrieben.

Während der 4 Jahre wurden einige der Schiffe von der Kriegsmarine eingezogen. Sie dienten als Lazarettschiff, Tonnenleger, Kohlentransporter und Proviantschiff.

Durch Verluste während des Krieges und Ablieferungen an die Aliierten nach Kriegsende wurde die Flotte von 29 auf 8 Schiffe dezimiert.

C Zwischen den Kriegen

6. Der Neubeginn nach 1918

1919 Neuanfang mit den 6 verbliebenen, gründlich zu überholenden Schiffen sowie Marinebauten, Wracks und Rückkäufen.

7. Hundert Jahre KIRSTEN

Zum 100-jährigen Jubiläum der Firma KIRSTEN im Jahre 1927,  wurde der dem Gründer zu Ehren „ADOLPH KIRSTEN“ genannte Dampfer mit moderner Technik und 1750t Tragfähigkeit bei der Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft vom Stapel gelassen. Diese Werft lieferte bis 1939 auch alle weiteren Neubauten für A. KIRSTEN.

Es war den Inhabern von A. KIRSTEN geglückt, ihr Unternehmen sicher durch den Krieg  zu leiten, aus dem Elend der Nachkriegsjahre zu führen und seine alte, führende Stellung unter den Hamburger Privatreedereien zurück zu erobern.

8. Der zweite Weltkrieg 1939-1945

Mit 19 hochmodernen Schiffen von 35.670 tdw näherte man sich im September 1939 in der Schiffszahl wieder dem Stand von 1914 (vor dem 1. Weltkrieg). Ein weiteres wurde noch hinzugekauft.

Während des Krieges wurden 13 Schiffe versenkt, 1945 wurden die verbleibenden 7 Schiffe von Russland, Holland, England und Norwegen beschlagnahmt.

Nach Abschluss der Kriegsfolgeverhandlungen war die gesamte Flotte Reederei A. KIRSTEN aufgerieben worden.

D. Die Nachkriegszeit

9. Nach 1945

Es wurden Schiffe zurückgegeben, gehoben und angekauft.

1950/51 wurden 4 Neubauten, u. a.  „DESDEMONA“ und „CLEOPATRA“ mit 3150t in Auftrag gegeben, 1952 folgten 4 weitere Schiffsbauaufträge.

In den Folgejahren wurden weitere Küstenlinien zwischen Deutschland und England aufgenommen, so die Rhein-See-Linie von Basel nach London, der Rhein-Humber-Dienst vom Rhein nach Hull.

10. Die Hamburg-Chicago-Linie

Die Motorschiffe „DESDEMONA“ und „CLEOPATRA“ waren von vorn herein für einen neuen, transatlantischen Dienst der Reederei A. KIRSTEN, die Hamburg Chicago Linie bestimmt, die bereits vor dem 2. Weltkrieg geplant war und nun 1951 aufgenommen wurde.

11. Die Desdemona

Sie wurde am 25. April 1952 von der H.C. Stülckenwerft in Hamburg abgeliefert. Ihre Grösse war mit 79m Länge und einem Tiefgang von 4,27m exakt auf die Grösse der Schleusen im amerikanischen und kanadischen Seengebiet abgestimmt.

1962 wurde die Desdemona an die Cormoran S.A. de Navegación, Buenos Aires, verkauft.

E. Das Ende der Reederei A. KIRSTEN

Im Oktober 1975 mussten die derzeitigen Inhaber Holger KIRSTEN (geb. 1937) und Alexander Thost (1935-1999) die Urenkel des Gründers Adolph KIRSTEN, Konkurs anmelden. Starke Konkurrenz und der Strukturwandel in der Schiffahrt waren die Gründe.

* * *

Von 1955-1963 war der Urenkel Harald A. KIRSTEN (geb. 1925) als Juniorpartner in der Reederei tätig.

Aufgeschrieben 2003 nach einem Telefonat von Harald Kirsten mit Kapitän German Prillwitz, in Bezug auf die MS Desdemona bzw. das Wrack in Patagonien

3 Gedanken zu „Kurzgeschichte Reederei

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  • 31. Januar 2017 um 15:20
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    Eine kleine Ergänzung zum Abschnitt 10 über ‚Hamburg-Chicago‘ Linie kann ich anbieten.
    Neben ‚DESDEMONA‘ und ‚CLEOPATRA‘ fuhren die ‚KONSUL SARTORI‘, CATHRINE SARTORI‘ (ab Juli 1954), ‚FRANZISKA SARTORI‘ (ab Oktober 1954) und ‚ALEXANDRA SARTORI‘ auf dieser Linie. Die Schiffe wurden bei der Meyer Werft in Papenburg gebaut und waren Diesel-Elektrische Schiffe. Um die verlängerten Schleusen auf dem St.-Lorenz Seeweg wiederum voll auszunutzen, wurde die FRANZISKA später auf 90,6 m verlängert.

    Quelle: Mein Vater war bis 1956 1. Ingenieur auf der ‚FRANZISKA‘. Ein paar Bilder von den Schiffen vor und nach der Verlängerung könnte ich auch schicken. Die Franziska hat eine gewisse Bekanntheit erlangt, nachdem sie im Herbst 1955 im Atlantik in einem Orkan schwer beschädigt wurde, aber sicher nach Hause kam. Siehe dazu auch Publikationen von Jürgen Schwandt.

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  • 18. Juni 2017 um 22:04
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    Guten Tag.
    1956 im Juni bin ich mit meiner Frau nach
    Montreal mit der Franziska Sartori ausgewandert. Besteht die Möglichkeit ein Bild von der Franziska ein Bild zu bekommen?
    Ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar.
    Freundliche Grüsse sendet Ihnen
    Willi Zeppernick

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    • 19. Juni 2017 um 14:32
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      Hallo Herr Zeppernick,
      ich sende Ihnen eine Email als Antwort.
      Beste Grüsse, J.K.

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